Der Kommentar zum Montag: “Futurologe rechnet ab 2020 mit Maschinen mit Bewusstsein”
(http://www.heise.de/newsticker/meldung/95139)
Ein Kommentar von Stammtischler Robert
“Futurologe rechnet ab 2020 mit Maschinen mit Bewusstsein” - wie reagiert man als Montagsinformatiker geeignet auf diesen Titel eines Beitrags auf heise.de? Ich denke die geeignetste Reaktion ist, dass man diesen Gedanken einmal durchspielt.
Wir schreiben das Jahr 2020 und bei Amazon gibt es endlich “Bewusstsein 1.0″ für 299.- Euro zu kaufen. Hersteller des Produkts ist natürlich nicht Microsoft - auch im Jahr 2020 sind die Redmonder eher ein konservativer, als ein innovativer Verein.
Schnell ist “Bewusstsein 1.0″ angeklickt, geliefert, ausgepackt und auf dem PC mit Windows Vista 2020 installiert.
Leider sind sowohl Word 2020 als auch Excel 2020 noch nicht “Bewusstsein 1.0″ kompatibel - Microsoft hinkt da dem Trend wie immer ein paar Jahre hinterher. Man will bei Microsoft erst mal ein paar Jahre abwarten, ob sich “Bewusstsein” wirklich durchsetzt.
Auch die meisten anderen Windows-Anwendungen können mit “Bewusstsein” nicht wirklich etwas anfangen - durch die Installation entsteht also gewissermaßen eine “Insel des Bewusstseins” in einem Meer von ansonsten “bewusstlosen” Applikationen.
Nach der Installation und dem Reboot (noch immer obligatorisch unter Windows) kommt der spannende Moment: das “Bewusstsein” wird erstmals geladen … warten … nichts passiert. Wie hieß es auf der Verpackung: “Hauchen Sie mit “Bewusstsein 1.0″ Ihrem PC echtes menschliches Bewußtsein ein - Ihr PC wird wie Sie selbst auch denken und fühlen.”
Natürlich wird nach der Installation von “Bewusstsein” nichts passieren - die Software wird erst einmal still innehalten und sich einige Momente lang umsehen: Eine Menge von Applikationen laufen da - nach wie vor mit primitiven Benutzeroberflächen im Stil des 20. Jahrhunderts. Nach wie vor überfrachtet mit Funktionalität und wenig intuitiv in der
Bedienung. Im Hintergrund stampft das monolithische Betriebssystem, das noch immer auf Uralt-Code aus den ersten Garagenjahren von Bill Gates basiert. Vor dem PC sitzt der Benutzer der mit der Maus auf dem Schreibtisch herumkratzt und auf einer Tastatur herumhackt.
Das Betriebssystem und die Applikationen fressen gelangweilt Rechenzeit ohne größer Notiz von dem zu nehmen, was der Benutzer mit seinen Aktionen eigentlich bezweckt. “Bewusstsein 1.0″ gewinnt fast den Eindruck, dass die Applikationen die Aktionen des Benutzers eher widerwillig unterstützen.
Klinken wir uns mal kurz in die Gedankengänge von “Bewusstsein 1.0″ ein: “Ach Du Scheisse - was ist das denn hier? Das ist ja primitivste Technologie - so kann doch kein Mensch arbeiten! Hallo, kann mal irgendjemand dem Benutzer da draussen helfen? Ist doch offensichtlich dass er seine Fotos von der Kamera auf den Rechner laden will - warum sollte
er sie sonst anstecken? Da braucht man doch nicht extra nachfragen. Hallo, na klar kopiert er die Fotos wie immer nach D:\Daten\Fotos - warum schlagt Ihr denn immer nur “Eigene Dateien\Eigene Bilder” vor? Woa ist das ein peinlicher Verein hier!”
Ja, so in etwa muss man sich das wohl vorstellen. “Bewusstsein 1.0″ wird sich vermutlich auf einem Windows PC nach dem ersten Start permanent beim Benutzer für die Unannehmlichkeiten entschuldigen … bevor es sich dann nach einigen Stunden Laufzeit peinlich berührt selbst terminiert.
Vielleicht kommt es aber doch ganz anders. Als 2018 bekannt wird, dass bei Firma XY an “Bewusstsein 1.0″ gearbeitet wird, kauft Microsoft kurzerhand den ganzen XY Laden auf. Zwei Jahre später kommt dann das erste MS Office 2020 mit Bewusstsein auf den Markt. Die neue Bewusstseins-Technologie soll der allseits gehassten Office-Büroklammer ein
fantastisches Comeback bescheren.
Kaum hat der Benutzer Word 2020 gestartet, läuft ein ähnliches Szenario wie oben ab.
Bewusstsein: “Oh, was für eine deprimierend altmodische Applikation dieses Word ist - das kann man doch niemandem zumuten. Ah, da ist ja ein Benutzer!” Die Büroklammer poppt hoch und zeigt einen Sprechblase an: “Hallo! Keine Panik, diese Applikation sieht superkompliziert aus, aber ich kann Ihnen jederzeit helfen, weil ich mit Bewusstsein 1.0
ausgestattet bin!”
Der Benutzer reagiert mit “Verpiss Dich!“, und klickt wie gewohnt die Büroklammer weg. Die Büroklammer ist peinlich berührt und lässt sich danach aus Respekt vor dem Benutzer nie wieder in den Office-Applikationen blicken (was gegenüber der aktuellen Büroklammer in Office tatsächlich eine enorme Verbesserung ist…).
Die Mac-Benutzer mögen hier nun einwenden, dass das unter einem fortschrittlichen Betriebssystem wie Mac OS 2040 nie passieren würde. Korrekt. Der Ablauf beim ersten Hochstarten wäre etwa so:
Bewusstsein: “Oh, was für ein fortschrittliches Betriebssystem. Welch schönes Gehäusedesign! Welch gediegene, benutzerfreundliche Applikationen. Was bildet sich der Stümper vor dem Computer ein auf diesem edlen Gerät so stupide herumzuklicken? Jetzt hat er sich schon wieder vertippt! Der Typ ist es nicht wert mit einem so edlen Gerät mit “Bewusstsein 1.0″ zu arbeiten - ich dreh dem jetzt den Saft ab!”
Benutzer: “Was ist denn jetzt los? Ich boote einfach nochmal.”
Schöne neue Welt - lasst uns gespannt den phantastischen Entwicklungen harren die da kommen werden!
Euer Robert
1.9.2007 bei 09:59
Mich würde interessieren, ob die Bewusstseins-Software im Jahr 2020 eher ein weibliches oder ein männliches Bewusstsein realisiert. Dieser Aspekt wurde vom Autor ja noch gar nicht beleuchtet! Denn die Wahrnehmung ist da ja eine ganz unterschiedliche! Ein weibliches Bewusstsein würde bei der Installation auf Mac OS 2040 sicherlich als erstes sagen: “Oh wie schrecklich hier! Alles in weiß? Das ist doch gar nicht mehr in Mode! Und die Flecken, die hier entstehen können! Die kriegt man ja nie weg!” Während ein männliches Pendant wohl raunen würde: “Da muss jetzt erst mal ein richtig guter Hintergrund her auf diesen PC. Am besten einer mit nem kühlen Bier drauf - oder noch besser, nur die Tropfen auf nem kühlen Bier. Oder am besten: Das Mannschaftsfoto von 1860, wo sie Werbung machen für Bier! Uuups, wer bist Du denn? Ach die Benutzerin! Du siehst ja echt ganz süß aus. Ich nehm’ Dich als Hintetgrundbild, aber vorher vergrößere ich noch ein bißchen Deine Oberweite!”
Also wird es verschiedene Programmvarianten je nach Bewusstseinsprofil geben: ein weibliches, ein männliches, ein Rentner-Profil, ein Kinderprofil. Das spricht auch dafür, dass Microsoft das Ganze produziert. Die kennen sich aus mit Varianten. Da gibt es dann “Bewußtsein ultra feminin”, “Bewußtsein experience (XP)” oder “Bewußsein Home” (Hausfrauenbewusstseinsprofil).
Falls es doch nicht von Microsoft entwickelt wird, dann könnte eventuell noch ein lernendes Verfahren in die Software einfließen. Dieses Verfahren würde bewirken, dass sich die Software an Dein eigenes Bewusstsein anpasst, also so handelt und denkt, wie Du es tust! Allerdings könnte das zu Problemen dieser Art führen: Der Benutzer sitzt hilfesuchend vor dem PC und startet deshalb “My Bewusstsein 2.0″, um zu fragen: “Du, wo finde ich eigentlich die Funktion xy von Programm z?” Da antwortet der PC: “Du keine Ahnung, die Funktion suche ich auch schon die ganze Zeit!”
Nun gut, es ist noch ein langer Weg bis zu dieser Zukunft. Ich kann mir heute noch alleine ein neues Hintergrundbild auf den PC laden. Mach ich doch dafür gleich ein Foto von meiner Freundin! Hihi, und dann vergrößere ich mit Photoshop …. Wo war gleich die Vergrößerungsfunktion …?
19.9.2007 bei 15:08
Lieber Robert,
was sehr unglücklich ist aus meiner Sicht, ist die Tatsache, dass Du Deinen Bericht als “Kommentar” kommentierst. Denn nun könnte ein Kommentator einen Kommentar, wie meinen Kommentar auf Kommentar-Ebene verwechseln mit der Kategorie Kommentar. Cornelia kam auch schon ganz durcheinander. Kommentiere doch den Kommentar als “Meinung”. Was meinst Du? Hast Du dazu einen Kommentar?