Gotham City, 21.8.2008 - Ein Motorrad mit Reifen so breit wie ein Traktor, aber mit weniger Profil gleitet durch die Nacht. Darauf eine einsame Gestalt in einen schwarzen Umhang gehüllt - ein Umhang, der aussieht wie eine Fledermaus. Das ist Batman auf seinem Batmobil. Er liegt fast auf seinem Motorrad und jagt auf einer menschenleeren Straße dem Großverbrecher Joker entgegen, um ihn zu überfahren. Ein Duell wie in einem Western.
Überhaupt erinnert mich vieles an dem Film “The Dark Knight” an einen guten Western. Ein einsamer, in sich zerrissener Held wie Clint Eastwood in seinen besten Filmen. Ein Bösewicht, der keinerlei Grenzen kennt und für den Moral ein absolutes Fremdwort ist. Und dann immer wieder Einstellungen, die sich in die Netzhaut brennen, weil sie so viel Stil, Coolness und oft auch Bedrohung ausstrahlen.
Alles an diesem Film ist ein bisschen größer, ein bisschen lauter und einfach noch bombastischer, als man es sonst von derartigen Blockbustern gewohnt ist. Die Actionszenen sind einfach nur unglaublich, mit einer Dynamik, Härte und Wucht, wie man sie noch nicht gesehen hat, der Bösewicht ist furchteinflößender als Hannibal Lecter - Jack Nicholson im Batman-Film des Jahres 1989 ist gegen den verstorbenen Heath Ledger eine Witzfigur - und die versteckte Liebesgeschichte herzzerreißender als bei Rosamunde Pilcher. Und dann sind da auch noch die Dialoge: Geschliffen, messerscharf und kultig.
Wer glaubt, dies sei einfach nur eine Comicverfilmung, die wohl eher kindlich-veranlagte Menschen adressiert, der irrt gewaltig. Nie war eine Comicverfilmung erwachsener, anspruchsvoller und realistischer. Die vielen Anspielungen auf die Folgen des Terrors vom 11.9. und ein Batman, der sein eigenes Handeln kritisch reflektiert sorgen für nachdenkliche Momente. O.K. - manche ehemalige Krankenschwester aus dem Saarland wird wieder mosern, dass ein fliegender Held im Fledermauskostüm doch nicht realisitisch sei. Doch für den Rest der Stammtischgemeinde sollte das keine Rolle spielen. Einziger Wermutstropfen: Vor lauter überraschender Wendungen und wegen der hohen Komplexität der Handlung (so haben das zumindest zwei Informatiker empfunden) kann man der Story nicht immer voll folgen. Auch wirken manche Erklärungen, wie z.B. die Wandlung des edlen Staatsanwalts zum Killer Two-Face nicht ganz schlüssig.
Aber trotzdem: Der Film ist einfach nur Kult und setzt die mit “Batman begins” eingeleitete neue Ausrichtung der Serie konsequent fort. Mit den früheren Batman-Filmen konnte ich rein gar nichts anfangen - das hat sich schlagartig geändert. Der Regisseur Christopher Nolan hat mich bisher eigentlich noch nie enttäuscht. Auch seine früheren Filme “Memento”, der eine Geschichte rückwärts erzählt, oder “Insomnia”mit Al Pacino und Robin Williams, aber auch “Prestige” hatten mich schon in Bann gezogen.
Sogar die Vorschaufilme waren klasse und rundeten das perfekte Kinoerlebnis ab. “Der Räuber Kneissl”, aber insbesondere auch die Ankündigung des neuen Coen-Brüder-Films “Burn after Reading” mit John Malkovich, Brad Pitt und George Clooney machen jetzt schon Lust auf mehr Kino. Sogar auch auf Popcorn-Kino! Meine Empfehlung! Reingehen - vielleicht sogar mit dem ganzen Stammtisch!
Hier gibt’s übrigens Trailer zu den Filmen: Batman - The Dark Knight, Burn after reading, Räuber Kneissl
Und hier die offiziellen Webseiten: Batman - The Dark Knight, Burn after reading, Räuber Kneissl
24.8.2008 bei 17:05
Also jetzt muss ich mich schon wundern. Hermann, der sonst nur kulturell hochstehende Filmkunst im Kino ansieht, zieht sich so einen superamerikanschen Comic-Kitsch rein? Was ist passiert? Hat Hermann seinen Geschmack geändert, oder ist der Film wirklich so anders? Ich persönlich würde mir ja so einen amerikanischen Batman-Krampf nicht ansehen wollen: erwachsene Männer in lächerlichen Faschingskostümen - das ist doch nix. Aber ich lasse mich gerne von fachkundigen Cineasten überzeugen, dass ich mit dieser Einschätzung total falsch liege.
24.8.2008 bei 17:07
Wat it dat denn?
Fledermäuse im Kino? Also bei mir fliegen die direkt vorm Fenster rum - jeden Abend zur Abenddämmerung.
Und ´nen Joker habe ich nur in meinem Kartenspiel.
Und was macht dort Robbie Williams - der sing doch in der Boygroup New Kids on the Block?!? Der Räuber heisst übrigens Hotzenplotz und nicht Kneissl. Kneissl ist eine Firma, die Ski herstellt. Also ich hoere lieber Insomnia - ist ein Lied von Faithless, war 1996 ein echter Hit.
Alles sehr sehr seltsam. Da bleibe ich doch lieber zu Hause und schaue mir die Lindenstrasse im Fernsehen an. Da ist seit 23 Jahren alles beim alten geblieben…..