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Corona Exil 2020 (5) – Reintegration

Dienstag, September 29th, 2020

Ich hatte einen Corona-Alptraum: München reißt am 19.9.2020 den Corona-Grenzwert von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die bayerische Staatsregierung reagiert mit einem drastischen Beschluss: Münchner müssen ins Exil in den Ruhrpott. Ein haarsträubender Schicksalsbericht.

Während wir in die Endphase unserer Ruhrpott-Integration einschwenken, schwankt man in Bayern wohl bezüglich der Corona-Maßnahmen. Anders ausgedrückt: man eiert herum.

Unsere Ernährung haben wir nun vollständig auf Spezialitäten wie Currywurst und Pommes umgestellt. Beim mangelnden Brezensalz nörgeln wir dagegen weiterhin herum.

Auch sprachlich haben wir uns weitestgehend angepasst. Statt „Breznsalzer“ sagen wir jetzt „Kackstelze“ oder „Gesichtskasper“. Auch die Grammatik haben wir verinnerlicht. Auf Fragen wie „Warum sind Sie hier im Ruhrgebiet?“ antworten wir zum Beispiel „Das ist weil wegen infektiös.“, weshalb man uns immer öfter für Einheimische, oder zumindest für Polen hält (also quasi-einheimisch).

Gerüchtehalber droht uns nun die Rückführung nach Bayern mit Reintegration. Man munkelt, dass der bayerische Ministerpräsident den Reimport von Bevölkerung aus Bundesländern mit niedriger Inzidenz erwägt. Da unser aktueller Wohnort derzeit eine 7-Tage-Inzidenz von nur 22 vorweisen kann, sind wir damit exzellente Kandidaten für die Rückführung.

Aber bevor wir zurückkehren müssen wir noch alles gesehen haben, was der Ruhrpottmensch für charakteristisch für die Region hält. Was das wäre, kann man am Sitzbezug in der S-Bahn sehen:
Fußball, Wellen, Bremsspuren, dreiblättrige Kleeblätter, Fabriken, Morgensterne, Elefanten, Herzen und drei Kackhaufen.

Alle Ruhrpott-Sehenswürdigkeiten auf dem S-Bahn Sitzbezug

Unsere Bilanz:
Fußball: check! Spielende Kinder in der Essener Fußgängerzone
Wellen: check! Duisburger Nordhafen
Fabriken: check! Zeche, Kokerei, Hütte
Morgenstern: check! Krupp (also Waffen)
Elefanten: check! Duisburger Nordhafen (da gibt’s alles)
Drei Kackhaufen: check! (siehe Elefant)

Fehlt noch Bremsspur, Kleeblätter und Herzen.
So nehmen wir uns ein Herz, hauen beim Fahrradfahren die Bremse rein, und fahren zurück ins schöne Bayernland, denn da sind die Wiesen grüner, der Klee ist fetter, und die Brezn haben noch ordentlich Salz drauf.

München, wir kommen!

Corona Exil 2020 (4) – Erkenntnisse

Freitag, September 25th, 2020

Ich hatte einen Corona-Alptraum: München reißt am 19.9.2020 den Corona-Grenzwert von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die bayerische Staatsregierung reagiert mit einem drastischen Beschluss: Münchner müssen ins Exil in den Ruhrpott. Ein haarsträubender Schicksalsbericht.

Nordhafen Duisburg: Bild mit ohne Hafen, dafür mit allerhand Zeug (Kies, Bretter, Gitter, Steine, Rohre, Gullideckel, Schilder) und dahinter ein Klotz verrostetes Fabrik-Gedöns.

Während man in München langsam die Nerven verliert (in der Innenstadt müssen jetzt sogar schon im Freien Masken getragen werden), gewinnen wir nach einigen Tagen des Einlebens immer mehr Erkenntnisse über den Ruhrpott.

Nach einer Radtour durch den Duisburger Nordhafen, haben wir jetzt auch verstanden, welche Bedeutung das Ruhrgebiet vermutlich für Deutschland hat. Fährt man durch den Nordhafen, so fällt einem unglaublich viel Zeug auf. Hier gibt es Kies, Schrott, Bretter, Container, Kabel, Autos, Steinbrocken, LKWs, Bagger, Kräne, Schiffe, Plastik, Metall, Kohle, Gleise, Schleusen, Gitter, Öltanks, Schutt, Rohre, Kabelrollen, Teer, und allerhand anderes Zeug.

Bemerkenswert erscheint uns, dass es im Hafengebiet fast keinerlei Menschen zu sehen, gibt. Insbesondere gibt es auch niemand, der all das Zeug da hinbringt, oder es von dort wieder wegbringt. Daraus schlussfolgern wir, dass der Duisburger Nordhafen ein Endlager für Zeug zu sein scheint. Das ist gut. Würde man das Zeug nicht hier lagern, so müsste man es in Restdeutschland lagern, so dass alle unter all dem herumstehenden Zeug zu leiden hätten.

A propos Zeug: auch ins Essen tut man hier allerhand Zeug rein. So gibt es hier Fast Food Virtuosen, die sich auf die Neuinterpretation von Pommes und Currywurst spezialisiert haben. Bei Pommes Pervers bekommt man zum Beispiel die Pommes „Otto Rehakles Zeus Edition“ mit Feta, Gurken, Tomaten, Oliven, Zaziki und Hähnchenspießen. Pommes mit so viel Zeug drin, hat man in seinem Leben noch nicht gesehen.

Pommes „Otto Rehakles Zeus Edition“ und Pommes „Pottsau“

Der Autor dieser Zeilen, muss sich jetzt ein wenig hinlegen, um sich von dieser üppigen Mahlzeit zu erholen.

Hier geht es weiter mit Teil 5.

Corona Exil 2020 (3) – Integration

Montag, September 21st, 2020

Ich hatte einen Corona-Alptraum: München reißt am 19.9.2020 den Corona-Grenzwert von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die bayerische Staatsregierung reagiert mit einem drastischen Beschluss: Münchner müssen ins Exil in den Ruhrpott. Ein haarsträubender Schicksalsbericht.

Am Tag 1 werden wir eindringlich darauf hingewiesen, dass wir uns integrieren sollten, wenn wir hier im Ruhrgebiet klarkommen wollen. O-Ton: „Dat ist weil wegen harmonisch.“. Dass es beim Thema Integration noch eine Menge für uns zu lernen gibt, bemerken wir bereits beim Frühstück. Leberkäse: Fehlanzeige. Semmeln: existieren nicht – man bietet uns als Ersatz sogenannte „Brötchen“ an. Brezn: nennt man hier Brezeln, doch was wir vermissen ist Brezensalz in ausreichender Menge.

Brezel mit erheblichem Salz-Defizit
und unnatürlichem Glanz

Zunächst machen wir zwecks Integration einen Crashkurs zum Thema Ruhrgebiet: in der Zeche Zollverein vermittelt man uns die industrielle Geschichte des Ruhrgebiets, sowie alle Grundlagen über Bergbau, Kohle, Koks und Stahl. Dabei erfahren wir, dass bei der Herstellung von Koks auch Salze als Nebenprodukt entstehen.

Kokerei der Zeche Zollverein: hier entsteht Salz, aber leider zu wenig als für Brezeln benötigt.

Jetzt wird uns einiges klar: wir kennen in Bayern nur den Bergbau zur Salzgewinnung. Salz brauchen wir in Bayern überwiegend für Breznsalz, daher muss es in Unmengen gefördert werden. Im Ruhrpott hat man dagegen anderer Prioritäten. Man konzentriert sich auf Koks als Haupt- und Salz als Nebenprodukt. Damit ist es kein Wunder, wenn für die Ruhrpott-Brezeln nicht genügend Salz übrigbleibt.

So hat bereits der erste Tag viel Erkenntnisgewinn gebracht.

Hier geht es weiter zu Teil 4

Corona Exil 2020 (1) – Einleitung

Sonntag, September 20th, 2020

Ich hatte einen Corona-Alptraum, doch auch nach dem Aufwachen fühlt er sich irgendwie real an: München reißt am 19.9.2020 den Corona-Grenzwert von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Kurz darauf reagiert die bayerische Staatsregierung mit einem drastischen Beschluss: manche Münchner müssen ins Exil. Die Bayerische Staatsregierung fordert uns zur sofortigen Ausreise auf. Unser Ziel: der Ruhrpott, denn dort sind die Infektionszahlen angeblich noch niedrig.

Dies ist eine Corona-Dystopie, die vielleicht schon bald wahr werden könnte: zwei Münchner im Exil im Ruhrpott. Ein haarsträubender Schicksalsbericht.

Am Bahnhof auf dem Weg ins Exil

Samstag, 19.9.2020 6:00 Uhr morgens: jemand klingelt Sturm. Ich quäle mich aus dem Bett und öffne die Tür. Ein Mensch in Vollschutzanzug hält mir ein Blatt Papier vor’s Gesicht. Hinter ihm zwei Polizisten mit Maske.

Herr M aus M?
Ja
Das Gesundheitsamt München fordert Sie im Namen der Bayerischen Staatsregierung auf, die Landeshauptstadt München zu verlassen. Gefahr in Verzug. Sie müssen sich spätestens Morgen Vormittag beim Gesundheitsamt Essen melden.
Was bitte? Da muss eine Verwechslung …
Nein, da liegt keine Verwechslung vor. Sie sind hiermit informiert. Wenn Sie der Anordnung nicht folge leisten, werden Sie mit einer Ordnungsstrafe von 5000 Euro belegt. Auf wiedersehen.

Sprach’s, drehte sich um, und verließ das Haus zusammen mit den Polizisten. Ich überfliege den Zettel, den man mir in die Hand gedrückt hat. Anordnung durch das Gesundheitsamt: Corona-Sicherheits-Exil. Entsendung in Niedrig-Risikogebiet. Zeitlich vorläufig nicht befristet. Zielort: Essen. Meldung in Essen morgen.

Essen? Wo ist Essen? Ich recherchiere kurz bei Google Maps. Ruhrgebiet – ach du Scheiße! Ich prüfe bei muenchen.de, ob diese Anordnung echt sein kann. Tatsache – es stimmt. Herrgottsakrament!

In aller Eile packen wir den Samstag über unsere Koffer, erledigen noch ein paar Einkäufe und informieren unser Umfeld. Keiner glaubt uns, aber es ist wahr. Einen Tag später stehen wir in aller Frühe am Münchner Hauptbahnhof und steigen in den Zug nach Essen.

Hier geht es weiter zu Teil 2.

Corona Exil 2020 (2) – Ankunft

Sonntag, September 20th, 2020

Ich hatte einen Corona-Alptraum: München reißt am 19.9.2020 den Corona-Grenzwert von 50 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Die bayerische Staatsregierung reagiert mit einem drastischen Beschluss: Münchner müssen ins Exil in den Ruhrpott. Ein haarsträubender Schicksalsbericht.

Am Hbf Essen angekommen, stellen wir fest, dass wir nicht die
einzigen Exil-Bayern sind. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts Essen
sammeln die eintreffenden Exilanten am Bahnsteig ab, und leiten sie
in einen abgesperrten Bereich auf dem Bahnhofsplatz.

Eingezäunter Sammelplatz für bayrische Exilbürger


Massive Holzverschläge schirmen die Exilanten von der Bevölkerung ab. Man hat jedoch bei der Sicherheitszone offensichtlich bemüht, eine bayrische Anmutung zu erzielen. Hinter dem Bauzaun spult man routiniert den medizinischen Check ab: die Personalien muss man beim Tombolaverkäufer abgeben, das Fieber wird am Glühweistand gemessen, den PCR-Test macht man beim der Zuckerwatte-Stand und die Befragung nach Symptomen und Anamnese erfolgt an der Würstelbude.

Symptomfreie Einreisende wie wir dürfen den Einreisebereich durch den
Ausgang „Sammellager“ verlassen. Am Ausgang erklärt man uns, dass die
Container leider derzeit noch nicht bereitstehen, und wir daher vorübergehend in einem Hotel untergebracht werden sollen. Wir sind einigermaßen erleichtert.

Das Hotel direkt in der Fußgängerzone betreten wir wenig später durch
einen speziellen Seiteneingang. Unser Zimmer im siebten Stock erreichen wir nur per Treppe, da wir den Fahrstuhl nicht benützen dürfen. Im Hotel wurde eine komplette Etage nur für bayrische Exilanten reserviert.

Ein Mitarbeiter erklärt uns, dass wir nicht unter Quarantäne stehen, aber
in fünf Tagen einen weiteren PCR Test am Empfang machen müssen. Außerdem mögen wir doch bitte täglich am Frühstücksbuffet einen Antikörper Schnelltest machen, und die Ergebnisse beim Zimmermädchen abgeben. Wir sind froh zu hören, dass wir das Hotel verlassen dürfen.
So können wir wenigstens unsere „neue Heimat“ erkunden.

Hier geht es weiter zu Teil 3.

Die Corona Chroniken Teil 2 – Ursachenforschung

Sonntag, März 22nd, 2020

Ich bekomme das alles nicht mehr so richtig zusammen, aber es muss sich ungefähr so abgespielt haben:

Zuerst das Gerede in den Medien über eine mögliche Ausgangssperre.
Dann der Schock im Supermarkt wegen der leeren Regale.
Danach der Extrem-Shopping-Anfall als Kurzschlussreaktion.
Das alles inspiriert durch die Hamsterkauf-Zeitungsberichte der letzten Tage.

Das Ergebnis:

  • 38 Tuben Zahnpasta
  • 156 Dosen Ravioli
  • 15 Packungen Toastbrot
  • 240 Rollen Klopapier
  • 30 Packungen Miracoli
  • 12 Kästen Bier (im Keller standen nochmal 4 Kästen)
  • 1 Hamster

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Die Corona Chroniken Teil 1 – Willi zieht ein

Sonntag, März 22nd, 2020

Das ganze Corona-Gedöns hat mich relativ unerwartet getroffen. Noch letzte Woche habe ich wie viele andere nicht an das Virus geglaubt, mich über Zeitungsschlagzeilen amüsiert und panische Mitbürger veralbert.

Hamsterkäufe?
Klopapier und Ravioli horten?
Wie sinnlos ist das denn?

Und dann das: da stehe ich Freitag Abends im Supermarkt vor dem leeren Klopapier-Regal und verspüre ein Grummeln im Darmbereich. Mein Magen zieht sich zusammen, Adrenalin schießt ein, und die nackte Panik erfasst mich.

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Manfred ißt Birne

Freitag, Februar 19th, 2010

Mal wieder ein wissenschaftlicher Beitrag, so wie wir Informatiker es lieben.

Der moderne, informierte Mensch, lässt sich ja heutzutage nur noch informieren. Nicht so wie im vergangenen Jahrhundert, als der wissenschaftlich interessierte Mensch nur durch harte Arbeit zu Erkenntnisgewinn kommen konnte. Da waren noch Gedanken- oder echte Experimente notwendig um zu neuen Einsichten zu kommen. Es wurden noch Äpfel und Bäume bemüht um sich die Welt zu erklären.

Zu Abstrakt? Beispiel: eine Wissenssendung im Deutschen Fernsehen behauptet, dass der Spitzenreiter auf der Bakterienverseuchungsskala der Spüllappen ist, dicht gefolgt von der Computertastatur – die Kloschüssel ist weit abgeschlagen. Kann man das glauben? Die Computertastatur vor der Kloschüssel? Wie könnte man das jetzt im Selbstversuch experimentell nachweisen? Zu eklig? Eben. Dann glaubt man doch aus bequemlichkeitsgründen einfach der Fernsehsendung. Zurück bleibt ein stiller Zweifel.

Doch irgendwann kommt jeder Zweifel mal wieder hoch. So kürzlich geschehen in der U-Bahn: mir gegenüber sitzt ein Mann mit einem Laptop auf dem Schoß. Die Computertastatur sieht mir recht sauber aus.

Glatte, hygienisch glänzende Plastiktasten. Wie soll sich da ein Bakterium halten? Auf so eine Taster gibt’s doch nix zu futtern! Als Bakterium rutscht man doch da runter, von diesem glatten Kunststoff. Dann fällt man als Bakterium in die Ritzen zwischen den Tasten. Da unten in den Ritzen kann man dann als Bakterium machen was man will. Aber mit den Fingern kommt dann keiner mehr dran. Wo ist also das Problem?

Der Mann mit dem Laptop – nennen wir ihn mal Manfred – unterbricht sein geschäftiges Tippen und kramt in seiner Manteltasche. Ziemlich speckiger Mantel. Er zieht eine Birne aus der Tasche und beißt herzhaft hinein. Eine kleine Birnensaftfontäne spritzt aus der Birne und legt sich als Birnen-Nebel gleichmäßig über die nähere Umgebung.

Manfred hat eine erstaunliche Birnen-Eßtechnik. Er ißt die Birne von unten. Das ddicke Ende der Birne verschwindet zuerst schmatzend in Manfreds Mund. Danach ein Kunstgriff: Manfred wendet die Birne um 180 Grad in Z-Richtung, so daß der Stiel nun nach unten weist, während der angebissene Birnenrest nun nach oben zeigt. Birnenmatsche auf den Fingern.

Manfred tippt mit einer Hand weiter auf der Tastatur. Manfred tippt mit einer Birnenhand weiter. Manfred tippt mit dem Birnenfingern der Birnenhand auf den glatten, sauberen Kunststofftasten.

Manfred saugt den Rest der Birne mit einer Zuzeltechnik von der Birnenachse. Birnensaft und Birnenfruchtfleisch an allen Fingern.

Manfred holt ein Stofftaschentuch aus seiner Manteltasche. Ein benutztes Stofftaschentuch. Manfred putzt seine Birnenfinger mit dem Taschentuch ab. Rotz auf Birnenfingern. Manfred tippt mit den Rotzbirnenfingern weiter. Manfreds Finger sind noch ein wenig klebrig. Manfred leckt einige Finger mit der Zunge ab. Manfred tippt mit Spuckerotzbirnenfingern.

Essen abgeschlossen. Konzentration. Manfred tippt sich wieder warm. Irgendwas juckt da im Ohr. Manfred bohrt im Ohr. Ohrenschmalz unter dem Fingernagel. Manfred tippt. Ohrenschmalz unter dem Nagel des Spuckerotzbirnenfingers.

Manfred denkt. Starrt in die Luft. Birnengeschmack im Mund. Manfred läßt seine Zunge über seine Zähne gleiten. Fasern! Birnenfasern zwischen den Zähnen! Manfreds Zunge rubbelt an den Zähnen. Manfred spült saugend Spucke durch seine Zahnzwischenräume. Die Birnenfasern sitzen fest zwischen den Zähnen.

Manfred bohrt mit seinem Ohrenschmalznagel im Zahnzwischenraum und entfernt die Birnenfasern. Manfred tippt. Spuckerotzbirnenfinger mit Zahnbelagschmalznagel auf der Tastatur.

Irgendwann steige stehe ich auf und verlasse die U-Bahn.

Ich glaube das mit den Bakterien im Spüllappen wird total überbewertet.

Zu Besuch im Computermuseum München (Grossrechnerabteilung)

Sonntag, Mai 3rd, 2009

Frühling 2009. Schauplatz: ein unscheinbarer Parkplatz im Süden Münchens. Stammtischler Ilona und Robert steigen die Treppen zu einer Tiefgarage hinunter. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. Im Halbdunkel sind einige Kartons und undefinierbare elektronische Geräte zu erkennen. Dahinter ein Verschlag mit mehreren Kartons. Es riecht nach Benzin und Autoreifen. Aus einer Stahltür zur Linken scheint Neonlicht – das muß es sein: die Grossrechnerabteilung des Computermuseums München.

Eingang zum Computermuseum

Ilona und Robert treten ein und werden freudig von einem älteren Herren begrüßt. Es findet gerade eine Führung mit drei Teilnehmern statt. Der ältere Herr erklärt gerade die Funktionsweise eines Lochkartenstanzers von Control Data. Er öffnet das Gehäuse des Gerätes zieht eine Platine in Zigarettenschatelgröße aus dem Gerät und ruft: „das ist ein Flipflop!“. Die Besucher staunen – manche staunen darüber, weil sie nicht wissen was ein Flipflop ist, andere staunen darüber, dass ein Flipflop so groß und so analog sein kann.

Die Führung geht weiter. Es werden Großrechner der Control Data Corporation und deren Peripherie präsentiert. Zudem gibt es historische Platinen mit Kernspeichern zu bewundern – ein Board von der Größe eines Posters hatte immerhin eine Kapazität von einem Megabit. Der ältere Herr betont, dass man mit etwas Fingerspitzengefühl bei einem Kernspeicher durchaus mal ein kaputtes Kabel wechseln kann – das sollte mal jemand bei einem modernen RAM-Speicher probieren. An der Wand lehnt die Magnetscheibe einer historischen Festplatte. Sie hat die Größe eines Wagenrades und faßt immerhin 3 Megabyte.

Ilona vor 3MB Magnetscheibe

Die Führung nähert sich ihrem Höhepunkt: einer der Control Data Großrechner wird hochgefahren. Ein elektrisches Surren erfüllt den Raum. Die Lampen an den Magnetbandspeichern und am Drucker fangen an zu blinken.

Magnetbandspeicher 

Ein Monitor gibt Statusmeldungen aus. Die grünen Zeichen  wirken fremdartig – fast wie die Zeichen auf dem Display eines Raumschiffs in einem Science-Fiction Film oder wie Keilschrift in grün. Es handelt sich um ein Vektor-Display, das alle Zeichen aus Kreisbögen oder Geraden zusammensetzt. Daneben ein Speicherdisplay – neue Textzeilen werden in grellem Grün auf das Display geschrieben – der Effekt wirk futuristischer als im Film Matrix.

Nach geraumer Zeit ist das System betriebsbereit. Der ältere Herr am Terminal startet einen Druckauftrag und schreibt Daten auf den Magnetbandspeicher. Der Drucker bedruckt seitenweise Papier während der Magnetbandspeichern knurrende Geräusche von sich gibt.

Die Führung geht im benachbarten Raum weiter. Es gibt einige Großrechner von Cray und NEC zu sehen. Jede dieser Maschinen hat noch vor wenigen Jahren zweistellige Millionenbeträge gekostet. Jetzt stehen die Maschinen stromlos wie ausgestorbene Technologie-Dinosaurier dicht an Dicht.

 NEC Supercomputer

Beim umherschlendern durch die schmalen Gänge zwischen den Rechnern, bieten sich immer wieder interessante Einblicke in das Innenleben der Großrechner: Stromversorgung mit fingerdicken Stromschienen, dicke Bündel von Kabeln wachsen aus den Leiterplatten, dazwischen Wasserleitungen für die Kühlung der Prozessoren.

Verkabelung

Der kurzweilige Rundgang endete nach etwa 90 Minuten. Das Museum ist ein echter Geheimtipp für Informatiker – hier kann man noch funktionierende Retro-Technologie in Aktion bestaunen. Und das besondere: einer der beiden älteren Herren (welcher sich nach Internetrecherche als der Gründer des Computermuseums herausstellte) ist eigentlich selbst eine Attraktion: er hat in seiner beruflichen Karriere selbst mit Control Data Computern gearbeitet und ist daher in der Lage diese Geräte souverän zu bedienen.

Ein älterer Herr, der durchaus in der Lage ist einen Control Data Großrechner zu bedienen

Fazit: ein absolut sehenswertes Computermuseum mit funktionsfähiger Hardware und originalen, gut erhaltenen Operateuren. Sollte sich ein Leser des Montagsstammtisch-Blogs berufen fühlen selbst mal Hand an die antike Hardware zu legen: einige der Maschinen sind Samstags per Remotezugriff über das Internet zu erreichen.

Filmkritik – „Operation Walküre“

Dienstag, Februar 17th, 2009

Warum sollte man sich diesen Film über das traurige, bewegende Schicksal des Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg im Kino ansehen? War doch erst kürzlich ein bereits sehr beeindruckender Fernsehfilm zum gleichen Thema im Fernsehen zu sehen (http://de.wikipedia.org/wiki/Stauffenberg_(Film)).

Gut, dieser Film hat schon im Vorfeld wegen seiner Besetzung mit dem nicht ganz unumstrittenen Scientologen Tom Cruise viel Aufsehen erregt. Aber das kann kein Grund sein. In „Operation Walküre“ ist ein sehr untypischer Tom Cruise zu sehen. Authentisch gespielt, wenig Hollywood. Tom Cruise wirkt als Stauffenberg nicht überzogen – man hat sich also wirklich Mühe gegeben mit dem Film dokumentarisch zu bleiben.

Trotzdem ist dieser Film kein cineastisches Highlight. Der Film ist nur in einer Beziehung ein Highlight: er enthält unglaublich viele Fehler.

Schon nach wenigen Minuten fällt dem aufmerksamen Zuseher in einer Szene auf, dass von oben ein Mikrofon in die Szene ragt. Gut, kann ja mal passieren. Sollte aber nicht acht mal in 90 Minuten passieren – schon gar nicht in einer aufwendigen Hollywood-Produktion.

Doch als wäre das nicht genug: auch bei den Special Effects wurde geschlampt: man hat Tom Cruise in den meisten Szenen schön zwei seiner fünf Finger wegretuschiert – schließlicht hatte der echte Stauffenberg einige Finger und seine Hand bei einem Bombenangriff verloren. Toll gemacht, wirkte sehr authentisch. Seltsam ist nur, dass die Cruise’schen Finger nach Lust und Laune plötzlich mal wieder da, oder auch mal wieder weg waren. Flackernde Finger gewissermaßen.

Dann wären da noch die Szenen vor der Kaserne des Ersatzheeres. Hier hat man mal das Gebäude korrekt zurechtretuschiert, mal aber auch nicht. In einigen Einstellungen ist klar die Neonschrift „Messe Berlin“ auf dem Dach des Gebbäudes zu sehen.

Am Ende des Filmes fragt man sich schon, wie es möglich ist, so viele Fehler im Film zu übersehen. Wohlgemerkt: diese Fehler sind schon beim erstmaligen Ansehen des Filmes aufgefallen – vermutlich würde man beim nochmaligen Ansehen deutlich mehr Fehler finden.

Fazit: ein dokumentarisch gut gemachter, aber schlampig umgesetzter Film. Aber auch ein lustiges Suchspiel für Rätselfreunde.